Der Bauernhof Familie Frey GbR
Der Bauernhof Familie Frey GbR

Kritische Anmerkungen zu unseren Legehennen

Einen wesentlichen Teil unserer Arbeit in Monbrunn widmen wir der Haltung unserer Legehennen: da ist es nicht verwunderlich, dass wir uns kritisch mit dieser Thematik befassen;  die Bio-Legehennen Haltung ist aus unserer Sicht natürlich gegenüber der konventionellen Haltung klar im Vorteil: die Tiere haben Auslauf, mehr Platz im Stall, einen permanenten Schlechtwetter-/Wintergarten, Einstreu im Stall und werden mit Bio-Futter gefüttert. Sähen wir in alldem für Mensch und Tier keinen eindeutigen und klaren Vorteil, so hätten wir wohl den falschen Beruf!  Dennoch wissen wir, dass unsere Hennenhaltung auch Schattenseiten und problematische Aspekte hat, die wir nicht verschweigen wollen. Sie sollen uns vielmehr ein ständiger Ansporn sein, überall nach möglichen Verbesserungen zu suchen.
- Hühner fressen Ackerfrüchte, sind also direkte Nahrungskonkurrenten zu uns Menschen; daran ändert auch die Auslaufhaltung nichts. Denn obwohl unsere Mobilställe mehrmals im Jahr ihren Standort wechseln, ist der Beitrag des gefressenen Grasaufwuchses zur Gesamtfutterration einer Henne eher gering. Wenn wir das Ziel haben, dass Bio-Landbau neben der ökologischen auch eine echte mengenmäßige Alternative zur „konventionellen Landbewirtschaftung“ aufzeigt, müssen wir den Anteil der Ackerernte für Futterzwecke zurückfahren.
Den Vorteil der mobilen Stallhaltung sehen wir eher darin, dass wir so die Grasnarbe im Auslauf besser vor Überweidung schützen können, v.a. dem Winterstandort eine Regenerationspause gönnen und ganz wichtig, die Verteilung der anfallenden Nährstoffe übers Jahr auf einer deutlich größeren Fläche organisieren, was wiederum das Grundwasser schützt,  weil es punktuelle Nährstoff- Überschüsse vermeidet.
- unsere Hühner sind aus genetischer Sicht keine „Biohühner“, da die Zuchtlinie eine konventionelle Züchtung ist. Gäbe es eine markttaugliche Rasse für die speziellen Anforderungen der Bio-Haltung, so stünden robuste Gesundheit, mehrjährige Haltung und bessere Mastleistung der männlichen Küken ganz oben auf der Wunschliste. Außerdem stört uns die Tatsache, dass die Züchtung konventioneller Legehennen weltweit von wenigen global agierenden Zuchtfirmen dominiert wird. Dies sowie die Gefahr der genetischen Verarmung des Genpools entspricht absolut nicht unseren Vorstellungen einer ökologisch ausgerichteten Wirtschaftsweise. Daher hoffen wir, dass die laufenden Versuche biotaugliche Hühner zu züchten in absehbarer Zeit Erfolge erbringen.
- die Tötung der männlichen Küken nehmen auch wir derzeit noch in Kauf, da unseres Erachtens noch keine Alternative existiert, die eine echte Verbesserung gegenüber des derzeitigen (unbefriedigenden) Zustandes bedeuten würde.
 Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist noch nicht auf dem Markt; zudem birgt sie die Gefahr, dass durch die hohen Investitionskosten in diese neue teure Technik die kleineren Küken-Brütereien aus dem Markt gedrängt werden. Dennoch ist dies eine vielversprechende Perspektive für die nahe Zukunft.
Die Mast der männlichen Küken von Legerassen  („Bruderhähne“) ist unserer Meinung nach äußerst problematisch und kein taugliches Mittel, das ethischen Problem der Tötung der männlichen zu lösen; genetisch sind diese Legehennenrassen nicht zur Mast tauglich. Selbst bei sehr hohem Einsatz von Futter mästet man ein Tier, das aufgrund seiner Genetik nur sehr wenig Fleisch ansetzt. Zudem findet dieses Produkt bei den Konsumenten noch weniger Anklang als ein Suppenhuhn.  Für uns ist dies eine nicht vertretbare Verschwendung von Biogetreide, welches man besser als Lebensmittel nutzen sollte oder wenigstens als Futter für Tiere mit guter Mast-, Milch- oder Legeleistung. Die Forderung, Lebensmittel aus „ethischen“ Gründen in der „Mast“ von völlig untauglichen Tieren zu verschwenden halten wir für nicht vertretbar und nehmen deshalb am Bruderhahnprojekt nicht teil. Man kann nicht ein ethisches Problem durch ein anderes ( noch größeres) ersetzen, sondern  muss den Gesamtzusammenhang sehen. Dabei geht es eben nicht nur um eine rein monetäre Betrachtung von Kükenaufzucht, Mastleistung und Schlachtkörperbewertung, sondern auch darum, wie wir mit unserem Biogetreide umgehen, d.h. wie wir es nutzen wollen. Wir unterstützen stattdessen den Kükenfond, der die Zucht geeigneter Zweinutzungsrassen für den Biolandbau vorantreibt.
Fazit: wir versuchen, einigen der oben beschriebenen Defizite der biologischen Legehennenhaltung zu begegnen. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren konsequent die Bedingungen  unserer Hennenhaltung verbessert. Heute betreiben wir nur noch Mobilställe, unsere Hennen haben schon jetzt fast dreimal so viel Auslauf, wie es die Bio-Verordnung vorsieht. Der Auslauf soll in den kommenden Jahren flächendeckend als Park mit Gehölzpflanzen versehen werden. Dabei sollen fruchttragende Gehölze mit Hecken wechseln. Die stallnahen Bereiche der Winterstandorte werden mit Hackschnitzeln aufgeschüttet, um eine Nährstoffbindung während der vegetationsfreien Wintermonate zu erreichen, wenn die Pflanzen keine Nährstoffe aufnehmen. Allerdings können wir keinen direkten Einfluss auf die Züchtung nehmen und auch wir sind wirtschaftlichen Bedingungen unterworfen, die unseren Handlungsspielraum begrenzen. Trotzdem wollen wir auch in Zukunft unseren Gestaltungsspielraum nutzen, um den biologischen Landbau und unsere Tierhaltung in Monbrunn weiter zu entwickeln. Das können wir auch, weil uns unsere Kunden faire Preise für unsere Produkte zahlen. Dafür sind wir ihnen dankbar.

 


Familie Frey im Oktober 2018

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© Regina Frey